Pferdezucht Blog - 2. Das Absetzen

Mit dem Absetzen ist die Trennung des Fohlen von der Mutterstute gemeint. Während die Stuten in der freien Natur irgendwann selbstständig ihre Fohlen wegschicken, was spätestens kurz vor der Geburt des nächsten Fohlens, häufig aber auch eher, geschieht, plant der Züchter das Absetzen. Üblicherweise wählt man diesen Zeitpunkt im Herbst, wenn die Fohlen fünf bis sechs Monate alt sind. Unsere Fohlen genießen den Sommer auf der Sommerweide gemeinsam mit ihren Müttern in der Herde, sodass wir sie trennen, wenn sie im Oktober aufgestallt werden. Bei der Trennung ist zu beachten, dass die Fohlen ausreichend entwickelt sein müssen, was sie in der Regel ab einem Alter von fünf bis sechs Monaten auch sind, und selbstständig in der Lage sind, Rau- und Kraftfutter zu sich zu nehmen sowie die Selbsttränke zu betätigen. Den Fohlen fällt die Trennung von den Stuten leichter, wenn sie in der gewohnten Gruppe ihrer gleichaltrigen Spielkameraden aus der Herde bleiben können, es ist jedoch natürlich auch möglich, die Absetzergruppen komplett neu zusammenzusetzen, jedoch sollte man Absetzer immer mit Gleichaltrigen, mindestens zu zweit, besser zu mehreren, in einer Gruppe halten, da dies dem natürlichen Herdencharakter der Pferde gerecht wird. Es empfiehlt sich, eine gerade Anzahl an Absetzern zu halten, da sie sich meist zu zweit befreunden. Um Stress zu vermeiden, sollten die Absetzer und die Stuten räumlich so weit voneinander getrennt werden, dass sie sich weder sehen, riechen noch hören können. Bei den Stuten kann es nach dem Absetzen dazu kommen, dass sich über einige Tage die Milch in einem prallen Euter staut. Hier sollte man auf keinen Fall abmelken, um die Milchbildung nicht weiter zu fördern, sondern ein paar Tage abwarten und gegebenenfalls das Euter mit Quark kühlen. Manche Züchter reduzieren die Kraftfutterration einer Stute, deren Fohlen frisch abgesetzt wurde, da sich dadurch weniger Milch bilden und somit weniger stauen kann. Sollte sich das Euter jedoch entzünden, was man an einem überhitzten und übermäßig stark geschwollenen Euter mit hoher Schmerzempfindlichkeit erkennen kann, muss ein Tierarzt hinzugezogen werden, damit die Stute mit Entzündungshemmern, Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt werden kann. Über die Art und Weise des Absetzens scheiden sich auch in Profikreisen immer noch die Geister: Während die einen ab dem dritten Monat beginnen, Fohlen und Stute zeitweise zu trennen, um sie langsam an das bevorstehende Leben ohne den anderen zu gewöhnen, lassen die anderen Mutter und Kind die gemeinsame Zeit genießen und setzen unvermittelt am Saisonende ab. Beides hat Vor- und Nachteile. Wir setzen unsere Fohlen erst am Saisonende ab, dafür verbleiben sie aber in ihren gewohnten Gruppen mit den gleichaltrigen Spielkameraden und machen bereits am Tag nach der Trennung zwar einen noch etwas unbeholfenen, aber keinen unglücklichen Eindruck. Für uns liegt der Vorteil darin, dass wir unsere robust gehaltene Herde lange Zeit auf der Sommerkoppel weiden lassen können und der Stressfaktor nur einmal (wenn auch dafür härter), aber nicht jeden Tag ein bisschen belastet. Wer seine Stute jedoch auch außerhalb der Zucht nutzt, gewöhnt die beiden häufig früh daran, dass das Fohlen zeitweise allein bleibt, während die Stute beispielsweise geritten wird. Früher, als Pferde noch die Nutztiere der Landwirtschaft waren, war es üblich, Stuten gleichzeitig in der Zucht und auch weiterhin auf dem Feld einzusetzen, sodass die Fohlen entweder dort mitliefen, oder aber im Stall verblieben. Auch sah man früher teilweise laktierende Stuten auf Pferdeleistungsschauen, deren Fohlen zu Hause blieben. Diesen Stress für Stute und Fohlen vermeidet man heutzutage jedoch. Bleibt ein Fohlen allein in der Box, während die Stute zum Beispiel geritten wird, ist es wichtig, dass mindestens ein anderes Pferd in Sichtweite verbleibt und die ersten Male jemand dem Fohlen zur Beruhigung und Ablenkung Gesellschaft leistet und beispielsweise durch das Schließen von Boxenfenstern oder ähnlichem das Verletzungsrisiko minimiert wird.


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